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Arbeitskreis Orientierungs- und Bildungshilfe e.V.

Das Konzept

Der kleine Unterschied - oder:
unser Alphabetisierungskonzept

Die bildungspolitische Arbeit des AOB hat zum Ziel, Menschen Hilfe zur Persönlichkeitsentwicklung und Emanzipation zum mündigen Bürger zu geben, der selbstständig lebensrelevante Entscheidungen treffen kann und sich aus Abhängigkeiten von anderen befreit.

Den vielfältigen Problemen von funktionalen Analphabeten, versuchen wir von Anfang an mit dem Angebot Kursteilnahme und Beratung zu begegnen. Neben der Erstberatung gibt es die Möglichkeit zur kursbegleitenden Lernberatung.

Wir helfen Menschen, die teilweise mit sehr unterschiedlichen Problemstellungen zu uns kommen:

einige kennen keine oder nur wenige Buchstaben,

einige können wenig lesen und kaum schreiben,

einige haben kaum Probleme beim sinnentnehmenden Lesen von Texten, aber große Schwierigkeiten beim selbstständigen Schreiben,

einige können mühelos lesen, machen aber viele Rechtschreibfehler,

einige können zwar fließend lesen und schreiben, haben aber große Angst vor Schreibsituationen,

einige leiden unter Legasthenie oder ihnen wird Legasthenie attestiert.

Trotz höchst unterschiedlicher Erfahrungen und unterschiedlichem sozialen Umfeld verbindet alle die Erfahrung, nicht ausreichend lesen und schreiben gelernt zu haben.

Die Vielfältigkeit unserer Lernangebote, sowohl auf dem pädagogischen als auch dem psychologischen Sektor ist auf die Vielfältigkeit der Unterschiede in den schriftsprachlichen und psychischen Problemen abgestimmt.

Veränderungen sind immer sowohl im pädagogischen als auch im psychologischen Lernbereich möglich.

Die aktuelle Arbeit

 

Aktuell betreuen wir jährlich ca. 160 Teilnehmer und Teilnehmerinnen in Kursen und Beratungen. In der Regel dauert ein Kursbesuch zwischen ein und drei Jahren. Die Kurse finden zweimal wöchentlich mit insgesamt 4 Unterrichtsstunden statt.

 

Der Erstkontakt ist meist telefonisch und kommt häufig auf Veranlassung Dritter (Sozialarbeiter, Bewährungshelfer, Bekannte, Freunde, Verwandte) zustande.

 

Bis heute wurden über 5.000 Personen durch den AOB betreut. Alle Personen wurden über Fragebogen erfasst, so dass uns eine stattliche Anzahl von Lernbiografien zur Verfügung steht. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass erst Anfang der 80iger Jahre eine regelmäßige Erfassung der Teilnehmerdaten durchgeführt wurde.

 

Wenn Jugendliche und Erwachsene zu uns in den Arbeitskreis Orientierungs- und Bildungshilfe kommen, haben sie ihren Weg als funktionale Analphabeten längst entwickelt und begangen. Wir haben es mit sehr vielfältigen Persönlichkeiten zu tun, bei denen immer auch - neben den gesellschaftlichen Bedingungen - ganz persönliche Motive, Lebensträume, Enttäuschungen und Entwicklungen zugrunde liegen, die letztlich dazu führten, die Schriftsprache nicht ausreichend erlernt zu haben.

 

Damit in der praktischen Arbeit für jeden konkrete Hilfe angeboten werden kann, muss jeder Einzelne in seiner Gewordenheit und Einzigartigkeit gesehen werden ohne die Gemeinsamkeiten mit den anderen Analphabeten aus den Augen zu verlieren.

 

Wir versuchen in den Erstberatungen, die die Beraterin entweder mit dem Hilfesuchenden allein oder im Beisein seiner Ehepartnerin, Mutter, des Sozialarbeiters - kurz einer wichtigen Bezugsperson - durchführt, ein erstes Bild

 

über die Hintergründe, die nach der eigenen Einschätzung des Betroffenen dazu führten, dass er ein Lese-/Schreibproblem bekam;

über die Motivation, den jetzigen Zustand verändern zu wollen;

 

und

 

über die Selbsteinschätzung seines Kenntnisstandes

 

zu gewinnen.

 

Kurs begleitende Beratungen können von der Kursleiterin, der Teilnehmerin oder der Beraterin selbst initiiert werden. Die Gründe hierfür sind vielfältig, so kann es sich bei einer Teilnehmerin bspw. um ein Problem im Kurs handeln, welches sie dort aber nicht besprechen kann oder möchte; bei einer anderen um Probleme im Beruf; oder die Kursleiterin ist aufgrund ihrer Beobachtungen im Kurs der Ansicht, dass ein Beratungsgespräch notwendig wäre. Dies gilt auch für therapeutische Gespräche.

 

Der Teilnehmer hat grundsätzlich zwei Ansprechpartnerinnen, wobei die Kursleiterin wechseln kann, die Beraterin den Teilnehmer aber bis zum Ende der Maßahme begleitet.

 

Zwei Ansprechpartnerinnen zu haben verhindert auf der Teilnehmerebene von den Einschätzungen und Bewertungen einer Person abhängig zu sein. Es trägt wesentlich zu einer Reduktion des Angstpegels bei. Auf der Betreuungsebene wird es der Subjektivität der Betreuerinnen gerecht, da mit Selbstverständlichkeit die Übertragungs- und Gegenübertragungsphänomene einbezogen werden.

 

Beraterinnen und Kursleiterinnen werden dazu qualifiziert, Übertragungsleistungen von Teilnehmern in Beratungen und Kursen zu erkennen und lernen, unter Zuhilfenahme der Intervision, die eigenen Gegenübertragungen wahrzunehmen und entsprechend sinnvoll mit diesen Phänomenen zu arbeiten. Die Intervision findet wöchentlich im Team statt.

 

Bei neuen Teilnehmern findet die Zusammenarbeit zwischen Beraterin und Kursleiterin erstmals nach den durchgeführten Erstberatungen statt, indem die Beraterin den Kursleiterinnen Informationen und Einschätzungen über den zukünftigen Teilnehmer vermittelt.

 

Im Team werden regelmäßig Fallbesprechungen durchgeführt und die weiteren Zielplanungen überprüft.

 

Die Zielgruppe besteht aus sehr unterschiedlichen Personen. Die Spanne reicht von Schriftsprachunkundigen (2 - 3 Buchstaben werden erkannt) über Personen mit gravierenden schriftlichen Unkenntnissen und massiven Leseproblemen bis hin zu Personen mit geringen Lese- und/oder Schreibfehlern, aber hohem Leidensdruck und starkem Erleben von Abhängigkeiten.

 

Damit die Effektivität unserer Arbeit gewährleistet werden kann, führen wir im regelmäßigen Turnus Evaluationen durch, die zum Ziel haben, die Veränderungen in den unterschiedlichen Lernbereichen des Teilnehmers zu überprüfen. Ebenso geben Teilnehmer regelmäßig eine Beurteilung des Angebots ab. Außerdem haben wir einen "Kummerkasten" eingerichtet, der den Teilnehmern ermöglicht, anonyme Mitteilungen zu machen.

 

Ausführliche Information

Weitere ausführliche Informationen über den AOB, sein Konzept und seine Projekte finden Sie in diesem Dokument, das Sie sich hier ansehen oder zu Ihrer persönlichen Verwendung herunterladen können:

DATEI LINK: aob_information.pdf
aob_information.pdf
(14 Druckseiten, ca. 96KB)
Dazu brauchen Sie den Adobe acrobat-Reader, den Sie im Bedarfsfall kostenfrei auf dieser Internet-Seite bekommen:
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